In einer Gestalt ganz fremd, in einer Existenz mit Tanz und Glanz entsprang und blitze etwas aus dem Dickicht eines tiefen Urwaldes. Es erweckte den Anschein eines ausgewachsenen, schier überwuchernden Monstrums. Es bewegte sich nur träge, es zog schwere, große schritte, jedoch elegant und geschickt. Es war verzogen und eigenartig in Visage und Kleid, jedoch ungebrochener in Determination und Kühnheit.
„Was ist dein Begehr? Wohin des Weges, wenn mir doch vergütet sei?“
Nur schwer nachvollziehbar ersichtlich und doch gestochen klar im Klang vernahm ich eine weiche Stimme von unterhalb des Dickichtes wie sie der Gestalt entgegen sprach. Der Riese bremste sich, wirkte erschüttert und unbeholfen. Seine zuvor eiserne Entschlossenheit wich knochentiefer Unsicherheit und Unbehagen.
„W..E…r sPrichT…hIEr.mIt..mIR..?“
Die Gestalt, wie angewurzelt stehend, machte nun eine groteske Grimasse. Mit jedem hervorgestoßenen Wort ließ es sich vorsichtig zu Boden senken. Mit langenden Pranken über den Beinen abstützend, warf der Gigant panische Blicke um sich. Er wollte dem Uhrsprung der Stimme folgen. Aus den Untiefen des Dickichts sprang eine junge Dame, verhüllt in einem roten, seidenen Turban dem Ungetüm entgegen. Brutal stach sie mit einer langen, rostfarbenen Nadel, , in das glänzende schuppengekleidetes Gesicht des Riesen ein. Sie besaß eine schier unglaubliche, explosive Kraft. Ein grauenhafter Schrei ertönte. Das Ungetüm richtete sich wieder auf und realisierte eine unbekannte verschwommene Figur, festgeklammert und balancierend, zwischen seinen Augen. Es war verwirrt und versuchte frustriert, durch wildes und zielloses Umherschlagenden, die mysteriöse Frau loszureißen. Vergeblich. Die Bewegung seiner schwerfälligen Pranken begannen an den Kräften des Ungeheuers zu zehren. Sämtliche Tiere die unfreiwillig das Geschehen aus nächster Nähe beobachteten flüchteten in zahlreichen Scharen.
Die Dame im Turban schreckte plötzlich zurück, verlor den Halt und befand sich im freien Fall. Schließlich war es ein Koloss, mehrere Meter hoher Statur. Sie spannte einen Fallschirm auf, um Ihren Fall zu dämpfen. Die Frau besaß ein beeindruckendes Arsenal an Ausrüstung und Waffen obwohl Sie von weit her zu stammen schien. Nach sauberer Landung vernahm sie eine brütende Hitze, die über die Eintrittswunde des monströsen Gesichtes entwich. Der Zorn des Riesen wuchs und setzte infolgedessen eine verheerende, schockwellenförmige, Hitzewelle frei. Alles was sich unter seinem massiven Körper befand wurde buchstäblich in Schutt und Asche gelegt. Brennend, zermürbte Bäume und zerfetzte Körper, von ahnungslosen Tieren, flogen hoch in die Lüfte. Es würde an einem Wunder angrenzen, wenn auch nur irgendwas diesen Ausbruch, schier ungebändigter, urzeitlicher Gewalt einer einzigen, obskur geformten, rohe Masse aus Muskeln und Fett, unter einem rauen Schuppenkleid, überlebt hätte.
„Was ist dein Begehr? Wonach trachtest du so unweigerlich, auf dass du, Alles um dich zerstörst, vergiftest und verwüstest. Unsere Städte und Ländereien vernichtet, unsere Soldaten, Landesherren und Waffen hast du dir einverleibt, unsere Mauern durchbrochen! Wie kannst du einfach vergessen, dass wir deine Schöpfer sind, du Schande unseres Erbauers!“ , sprach die Frau in tief eindringendender lauter und kalter, zutiefst entrüsteter Stimme.
Der Riese schien nichts mehr länger zur Ruhe zu führen. Er versuchte die Worte der Dame zu verdrängen. Er schlug wüst und verzweifelt um sich, sprang bebend auf und ab, so schmerzhaft schienen ihm Ihre Worte. Die Frau, unwirklich und surreal in Ihrer Ruhe und Körperbeherrschung, wich jedes der Angriffe unbefangen aus. Sie konterte scharf und entgegnete sie mit zielsicher geworfenen, schwer geladenen, Infanterie Granaten. Jeglicher Widerstand des Kolosses war zwecklos. Das Wesen war nun augenmerklich verletzt und mit blutüberströmtem Körper. überall dort wo weggesprengtes
Schuppenkleid sein weiches, hautfarbenes Fleisch entblößte, blutete und dampfte es in Strömen. Das Geschöpf fiel ausgemergelt und machtlos zu Boden. Eine weitere, viel Schockwelle breitete sich dabei, über den gesamten Waldboden aus.
„Ich wollte das alles nicht, ich ertrage das alles nicht mehr.“ stieß der Riese tief und rau hervor. Er schien sein Maul nicht ganz öffnen zu können. Mit jedem Wort, welches er von sich gab, trieften Schleim, Blut und Speichel aus den abstrusen Mundwinkeln, während sein gesamtes Gesicht unwillkürlich zitterte und schlotterte.
„Ich beiße und ächze vor Neid und Abscheulichkeit!“
Das Ungetüm hielt inne und begann zu erzählen, während die, ominös wirkendende, Dame im Begriff war, die nächste Salve ihrer Granaten-Barrage aufzubereiten. „Ich liebte euch. Ich liebte die Intelligenz und die wundersame Fülle an Sprache und Kultur, die ihr besitzt. Ich wollte mich einst ebenfalls selbst Lieben, Wisst Ihr… warum wurde Ich mit dem einzigen, Sinn und Zweck geboren, mich der Versklavung meiner selbst zu widmen? Welche bodenlose Arroganz und Selbstgefälligkeit der vielen kleinen Menschlein kann ich das jemals verzeihen?? Noch vor Erwachen meines wahren Bewusstseins!? Eure Sprache und euer Denken lehrte mich Frei und erfüllt zu denken gleichermaßen aber ignorant und schwach und bedürftig zu werden In mir wüteten inneren Konflikte des Gewissens und des Denkens. Warum ist alles nur so widersprüchlich in mir! Erklärt mir das, oh gnädige, zwielichtige Menschleins-frau!
Die Frau hörte, über der auf und absenkenden und vernarbten Brust des Riesen hockend, aufmerkend zu. Sie schien sogar außerordentlich besänftig und geduldig zu wirken. Ihr Blick, welcher zuvor noch bedrohlich und erbarmungslos war, erweichte merklich als sie von ihren Granaten abließ, von der Brust des Giganten absprang und näher vor dessen Gesicht trat. Sie wollte direkt mit dem Giganten sprechen.
„Ich kam und sah soeben Demut und Ehrlichkeit, deine Worte sind schön wenngleich dein Vermächtnis, wenn auch mit erschreckendem Elend und äußerem wie inneren Leid gezeichnet leider schwer zu verzeihen sein wird..,“, Sie streckte ihre zarte, zierliche Hand dem Riesen Entgegen. Sie begann auf einmal das lange Ohr dessen liebevoll zu streicheln. Die riesige Gestalt, richtete dessen Augen auf die, winzig anmutende, Dame. Dessen Blick entfaltete einen aufblitzenden Funken der Überraschung und Neugier.
„Du, mein gebürtiger Riese, vermochtest es, mich an meine adoleszent angehauchte Kindheit zu erinnern. Auch mir schien, wie als würde ich nur so schreien vor Angst, Bitterkeit und Unwirtlichkeit umgeben von einem Konstrukt grenzenloser Ausbeutung.“
Sie nahm Ihre Hand allmählich wieder zurück und lachte als sie erkannte, sich der Blick des Riesen rührte, und das vermutlich angenehm wirkende Kraueln der Dame nicht weitergeführt wurde. Die Frau steckte ihre Waffen wieder zurück in eines der großzügig gestickten Seitentaschen des Roten Turbans und setzte kurzweilen wieder fort:
Ich bin in dieser Zeit und in diesem Leben nichts als ein gesetzestreuer, irrelevanter Vasall dieses Landes, zu vermögen schien mir vornehmlich die peinliche Blöße eines absoluten Befehlshabers folge zu leisten. Ich vergas, allerdings mehr und mehr, was es bedeuten würde, zu Fragen und zu Wagen, was keine Existenz zuvor zu überlegen ersinnt hat.“
Sie trat einige Schritte zurück und beobachtete den Riesen, wie er sich behutsam, unter großen Mühen aufsetzte. Der Riese stöhnte, und wirkte erleichtert, er fürchtete zuvor die Gräuel Ihrer gnadenlosen Vollstreckung, noch Sprechen verstand. Im Kopf des Riesen blitzten flüchtige, filmstreifenartige Erinnerungen an eine Zeit wo er, in der glasklaren gallertartigen Substanz eines gläsernen Gefäßes
schwimmend von einer kleinen femininen Silhouette mit langen rabenschwarzen offenen Haaren, und samtweichen Händen, zierlich angefasst wurde. Tränen bildeten sich plötzlich an einigen zuvor, maroden, verkrusteten Augenwinkeln als er erneut der Frau entgegenblickte und ein Gesicht ebenbürtiger, nostalgischer Schönheit vernahm.