Tommy lag auf einer weiten, von frischem, jungem Gras besiedelten, hellgrün strahlenden, Wiese. Ein sanfter Wind bläste quer durch die Weite Graslandschaft. Es war ein herzhaft schöner Frühlingsmorgen, die Vögel zwitscherten ihre Minnesänge, die Menschen zog es aus ihren kühlen, kleinen Heime ins Freie, und alles lies den Beginn einer länger währenden überflüssigen Idylle inmitten Wiens vermuten. Tommy gingen viele Gedanken durch den Kopf, über seine Familie, seine Uni, seine Sorgen, seine Wünsche, die erbarmungslose Flut an Nachrichten, Botschaften, Werbungen und Meinungswesen aus aller Welt. So vieles lief über die vergangenen Wochen und Monate einfach nicht richtig auf unserem winzigen Globus, sodass man sich manchmal nicht davon abhalten kann, eine oder zwei Minuten inne zu halten und zurückblicken. Doch immer endet es damit, dass man seine desolaten und unbegründeten Vorstellungen nicht weiter fortführen will oder findig und tüchtig zu anderen Beschäftigungsmöglichkeiten fernab gelegen der dystopisch anmaßenden Realität unserer allgemeinen zeitgenössischen Historie.
Autsch, ich hab was ins Auge bekommen, schon zum dritten mal heute!, verdammt noch mal“ schrie Tommy auf. „Mal beim auf dem Weg hier her, dann beim Abstellen meines Fahrrads und jetzt muss ich mich nicht mal bewegen, so magnetisch anziehend bin ich für diese scheiß Biester! Herrje–“ Tommy richte sich abrupt auf und fuhr mit der rechten Hand in sein Auge. Tommy fühlte sich plötzlich sehr irritiert über seine Reaktion. “ Ach, vielleicht muss ich mal mit wem darüber tratschen, dieses Überdenken von Sachen tut mir sichtlich nicht gut“ sagte er zu sich selbst und er ein unwillkürliches, schwaches Lächeln hervor. Er stand allmählich auf, griff nach seinem kleinen Stoffrucksack, den er täglich mit auf seine Wege nimmt, und stolzierte durch die unebene, ausschließlich von Gräsern bedeckte, weite Landschaft. Der sanfte Wind und die Vögel harmonierten miteinander und Tommy suchte in dieser Atmosphäre Zuflucht vor der lauten, reizüberfluteten Stadt. An Momenten wie diesen fällt mir einfach so unglaublich stark auf, wie befremdlich und unangenehm mein jetziges, angespanntes Leben. Zahlreiche Menschen, denen ich nur mit meiner kärglichen Fassadenfront gegenübertreten kann, es ist einfach ein schierer Graus–“ schrieb Tommy in sein Tagebuch. Er saß am feuchtkalten, erdigen Boden, mit dem Rücken gegen eine junge, vereinzelt stehende, Eiche angelehnt während er nachdenklich an seinem bärtigen Kinn zupfte . Einstweilen blickte er in die immer schwächer werdende Abendröte gen fernen Horizontes bis ihm wieder etwas Interessantes einfiel. Er wusste nicht so recht, warum er sich nicht längst schon schnurstracks, im Leid seiner drohenden, studentischen Prüfungsdeadlines gebeugt, auf den Heimweg gemacht hat… Er hat sich nie als jemanden wahnsinnig Gefühlsduseligen betrachtet. Nie schien er jemand gewesen zu sein, welcher unkontrolliert emotional oder außer Rand und Band mit sich selbst und seinen Mitmenschen geraten hätte können. Allerdings, in letzter Zeit tummelten sich mehr und mehr, Merkwürdigkeiten, , in seinem bescheidenen Oberstübchen, wie er von sich selbst gerne humoristisch betont. Er verspürte immer wieder den Drang, unter vereinzelten kurzen Schüben, seine anfänglich diffusen Gedanken, die Nächsten grober und intensiver als die Letzten, zu notieren. „Ach, was solls, Daheim wartet ja eh keine Sau auf mich. Ich kann mich einmal im Leben auf etwas ungewohnt Neuartiges einlassen, heh“ überzeugte er sein unentschlossenes selbst. Daraufhin schmunzelte er, förmlich erleichtert, klappte sein Tagebuch, schob den Bleistift zwischen die letzen Seiten wo er stehen geblieben war und packte sie in seinen Rucksack ein. Allmählich legte sich der dunkle Schleier der tiefen Nacht über die Landschaft. Er verspürte eine tiefgründige Seelenruhe sondergleichen. Der Himmel, der Frieden, der Duft sprießender Blumen, Gräser und Gestrüppe kraulten seine Nase. Er verspürte solch eine überwältigende Entspannung, sodass er so entspannt Er spielte mit dem romantischen Gedanken unter dem Baum zu übernachten wo er mit dem letzten Anblick zum schier endlos klaren, Nachthimmel über ihm, versehen mit etlichen, funkelnden Sternen, und eingerollt in seiner großen Steppdecke, sanft in den Schlaf gewogen würde– Ist es schon wieder morgen? Bin ich zu spät dran?! Warte mal mein Wecker ist doch—hä—oh scheiße ich hock ja noch immer unterm Baum<< stammelte er schlafertrunken vor sich hin, als er sich abrupt aufschreckte. Er döste vor sich hin, als ihn plötzlich ein schriller Melodie, ähnlich dem eines bizarr verstimmten Metronoms unsanft erwachen lies. „W-wer ist da?? Ich rufe die Polizei! H-Hallo!?“ Tommy war fassungslos und ratlos. Er zitterte und stotterte wüst vor sich hin, schnappte seinen Rucksack und hielt ihn schützend vor sich. Seine geweiteten Augen schauten in alle Richtungen, als er ein betrübtes Flackern aus der Ferne inmitten der dunklen, kühlen Wiesenlandschaft vernahm. Welcher Depp hat hier ein Lagerfeuer entfacht, das ist doch in diesem Gebiet untersagt, den Knüpfe ich mir mal gehörig vor! Scheiße noch eins!“ brüllte Tommy garstig, inzwischen fuchsteufelswild geworden. Hüte deine Zunge, Mensch! Horche auf ohne widergellen oder widerbellen, beim Chor unserer Nachtigall!“ flüsterte plötzlich eine fremde Stimme in sein linkes Ohr, welche ihn panisch zurückschrecken ließ. Der klang ihrer Worte erweckte einen unheimlichen wie überraschend femininen Eindruck in Tommys hoffnungslos zerstreutem Kopf. Er versuchte sich über vermehrt tiefes Einatmen zu beruhigen. Vergebens. Im nächsten Augenblick fand er sich umzingelt von Schwadronen und Schwärmen schwirrender, unermüdlich aggressiv wirkender, Singvögel. Schon wieder. Ein Ohrenbetäubender Gesang im Takt eines lebendigen Metronoms ertönte. Die Taktzeiten zwischen den Gesangschreien der Vögel wurden immer kürzer und schriller, immer lauter, immer eindringlicher. Tommy fühlte sich qualvoll und versuchte verzweifelt die Ohren zuzuhalten, jeglicher Widerstand schien zwecklos. Er fiel auf die Knie. Am Boden zerrte und greift er in blankem Terror, an allem was er ergreifen und entwurzeln konnte, um sich die Gehörlöcher zu stopfen. Irgendwas! Irgendwie. Irgendwer?? Er weinte und rief kreischend, so laut er konnte, um Hilfe bis er mit dem Vogelschlag vereinzelter Nachtigallen gegen seinen Schädel gänzlich zu Boden viel ohne es zu realisieren. Er war bewusstlos geworden. „Habe man ihn bestrafen oder erleuchten wollen? Wessen Gestalt wollte dass ich ihr zuhöre? Welch Unwesen ist aus seinem tiefen Schlummern erwacht und hat meine Gedanken belauscht? Ist das etwa Vergeltung oder Lichtung?…“